Herausforderung an der Nestschaukel

Ein weiterer Tag in der Kinderburg Veronika Keller beginnt für mich um acht Uhr morgens, als ich an der Tür der Einrichtung klingle. Der integrative Kindergarten in Siegburg besteht aus insgesamt fünf Gruppen, mit jeweils etwa 17 Kindern und drei bis fünf Erzieherinnen. Ich gehe zielstrebig auf die gelbe Gruppe zu, in der ich gerade das in Klasse 9 obligatorische zweiwöchige Sozialpraktikum absolviere.

Nach und nach trudeln die Drei- bis Sechsjährigen mit ihren Eltern ein, da die Bringzeit erst um acht Uhr beginnt. Im Wissen, dass insbesondere den Jüngeren manchmal der Abschied von ihren Eltern noch schwerfällt, bereite ich mich darauf vor, eine passende Beschäftigung für die Kinder zu finden, um diese etwas abzulenken.

Sehr beliebt in der Gruppe ist das Bauen mit Holzklötzen sowie das Puzzeln und Basteln. Da aber jedes Kind andere Interessen hat und ich niemanden benachteiligen möchte, ist es schwierig, sich auf eine Aktivität festzulegen, sodass ich innerhalb kurzer Zeit mehrere Spiele gespielt und Türme aus Klötzchen gebaut habe.

Mittlerweile ist es neun Uhr, die Gruppe ist vollständig und der Morgenkreis beginnt. So wie jeden Morgen zählen die Kinder selbstständig, wie viele Jungs und Mädchen heute gekommen sind und besprechen ausführlich den Kalender. Damit zum Schluss alle Kinder nochmal zur Ruhe kommen wird ein Freiwilliger ausgesucht, der gegen die Klangschale schlägt: Solange der Gong nachhallt, müssen alle Teilnehmer des Morgenkreises ganz leise sein.

Anschließend können die Kinder frühstücken oder sich frei in der Gruppe beschäftigen. Meine Aufgabe ist es nun, wieder mit den Kindern zu spielen und ihnen bei Bedarf in verschiedenen Situationen zu helfen.

Draußen wird es nun immer wärmer und bis zum Mittagessen dürfen drei Kinder auf den Spielplatz gehen. Ich begleite sie, um aufzupassen, dass sich niemand verletzt und um Streitereien zu verhindern. Die Interessen sind vielseitig, doch bei allen beliebt ist die große Nestschaukel im Garten. So habe ich bereits viel Zeit mit Anschubsen verbracht. Schaukeln – das scheint für die Kinder niemals langweilig zu werden, wie sich später noch zeigen wird.

Um Viertel vor zwölf gehen wir wieder ins Haus und während die Kinder zu Mittag essen, verbringe ich meine Mittagspause in der Innenstadt. Ausgeruht kehre ich in die Kinderburg zurück, in der gerade eine ebenso entspannte Atmosphäre herrscht: Die Jüngeren machen Mittagsschlaf und für den Rest der Gruppe beginnt die Ruhephase.

Um zwei Uhr ist es vorbei mit der Ruhe, weil die ganze Gruppe in den Garten geht. Unzählige Kinder wuseln um mich herum, da auch die anderen Gruppen des Kindergartens demselben Tagesablauf folgen und sich nun alle draußen befinden. Mehrere Kinder kommen mit Wünschen auf mich zu – eine echte Herausforderung, ihnen allen gerecht zu werden.

Ganz oben auf der Wunschliste steht natürlich die Nestschaukel. Da immer nur drei Kinder auf die Nestschaukel dürfen, mittlerweile aber zehn Kinder um mich herumstehen, bemühe ich mich stark darum, dass kein Kind zu kurz kommt und jeder so lange schaukeln darf, wie die Anderen. Hierbei ist es wichtig, dass die Kinder geduldig sind und akzeptieren, wenn auch jemand anderes auf die Schaukel möchte.

Ab drei Uhr werden die Kinder wieder von ihren Eltern abgeholt und auch mein Arbeitstag ist nun zu Ende. Ich verabschiede mich von den Kindern und Erzieherinnen und mache mich auf den Heimweg. Zugegebenermaßen bin ich jetzt echt müde und erschöpft, da die Arbeit mit kleinen Kindern doch sehr anstrengend sein kann. Doch ich freue mich schon auf morgen und die weiteren Tage, die ich hier im Kindergarten verbringen darf.

David, Klasse 9.

Ein Kommentar

  1. Ein wirklich sehr gut geschriebener Artikel! Es hat richtig Spaß gemacht deine Erfahrungen zu lesen, aber es muss echt anstrengend sein mit so vielen kleinen Kindern.

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